1. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Der alte Affe Angst (D 2003, Oskar Roehler)

Verliebt in Berlin mal andersrum: Robert und Maria sind ein Paar und haben Probleme. Er mit sich, sie mit ihrer Vergangenheit und beide mit ihrem ganzen Umfeld sowieso: Roberts Vater ist an Krebs erkrankt, arbeitsgehemmter Schriftsteller, lebt zwischen erdrückenden Bücherwänden und wird sterben; Maria arbeitet als gutmütige Seele im Krankenhaus, gerät dort an die an HIV erkrankte Prostituierte Lisa mit ihrem an HIV erkrankten Kind, beide werden wohl demnächst sterben; Robert verdingt sich als Theaterregisseur an einem Stück, in dem nackte Menschen ständig ihre Angst herausbrüllen; eine Schauspielerin mit tragender Rolle ist schwer erkrankt und wird sterben; Maria hat bereits einen Selbstmordversuch hinter sich und will bald wieder sterben, außerdem hat sie Angst um Robert. Der kann seit einem halben Jahr keinen Sex mehr mit ihr haben, die Liebe ist zu groß, ihr Wesen zu rein. Deswegen reagiert er sich bei Prostituierten ab, wovon Maria natürlich nichts weiß, sondern bloß Roberts Psychologe. Der fuchtelt gerne mit den Händen und bestätigt überdies Robert in der Annahme, dass seine Liebe auf einem zweischneidigen Schwert balanciert, woran man herzlich wenig machen könne. Der Gute sei halt etwas deviant.

Einmal schafft es Maria, nach zahlreichen Mühen der Vergeblichkeit, Robert zum erfolgreichen Beischlaf zu treiben. Die Folge: Schwangerschaft. Allerdings erfährt Maria kurz darauf von Roberts sexuellen Eskapaden: Menstruationsblut im Schrittbereich erfordert kein großes detektivisches Gespür. Lisa war besagte Prostituierte. Maria hat Angst: Robert könnte sterben. Und nicht nur er, das ungeborene Kind dürfte nicht minder in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine Untersuchung ergibt: das Kind ist gestorben. Lisa wird hysterisch und das nicht zum ersten Mal. Angst paart sich mit unangenehmen, grobkörnigen Erinnerungen: Dort ist vermutlich schon mal ein ungeborenes Kind zu früh gestorben. Für Lisa steht nun fest: sie will sterben. Obwohl man aus Fehlern lernen sollte, schneidet sie erneut erfolglos ihre Pulsadern durch, flüchtet zu ihren Eltern, landet im Sanatorium. Robert ist allein, verzweifelt und möchte sterben. Dazwischen wäre Robert vielleicht an einer Überdosis Koks gestorben, angeboten von einem exzentrischen Schauspieler mit Zauselbart. Beide bestätigen sich gegenseitig in ihrer Überzeugung, stärker zu leiden als blutgierige Vampire, schließlich zehren sie vom eigenen Blut, aber keiner dankt es ihnen. Deswegen streicheln sie ihre Schultern. Der Schauspieler tritt ab (vermutlich gestorben).

Robert fährt zu Maria aufs Land um sich mit ihr im Glückstaumel über Wiesen zu drehen. Beide wollen nicht mehr sterben, aber wer weiß das schon? Der Kamera wird schwindelig, der Musikeinsatz ward schon immer scheiße, der Abspann bleibt kurz.

Wo der schlechte Blockbuster sich zu wenig einbildet, tut es dieses Arthouse-Äquivalent entschieden zu viel.

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