Tödlicher Schnee

23. März 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

In Argentinien ist die Comicfigur »Eternauta« eine Ikone des Widerstands

Die Science-Fiction-Comic-Figur »Eternauta« war in Deutschland bislang praktisch unbekannt. Es gab keine Übersetzung. In Argentinien, wo »El Eternauta« zwischen 1957 und 1959 erstmals im Magazin Hora Cero als Serie erschien, wurde sie in den 70er Jahren zum Sinnbild des Aufbegehrens gegen die Militärjunta. Das hat auch mit der Biographie ihres Autors Héctor Oesterheld zu tun.

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»Wenn man alles gerecht teilen würde, wäre genug für alle da«

1. März 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Interview mit dem Comickünstler Mawil

Der Comic-Blog Bildkorrektur greift in die Flüchtlingsdiskussion ein. Gespräch mit Mawil.

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Horrorbürokraten

3. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Zensurfall „Texas Chainsaw Massacre“

Der filmhistorisch längst kanonisierte, in Deutschland aber bislang verbotene Klassiker „Texas Chainsaw Massacre“ wurde in erster Instanz von seinem Schmuddelimage befreit.

mehr: filmgazette
Erstveröffentlichung: KONKRET 11/2011

Krieg und Comic

2. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Erzählungen von Fidel Castro, Bosnien und dem Ersten Weltkrieg

Das Thema Leben vor, während und nach dem Kriegszustand besitzt im zeitgenössischen Comic derzeit große Konjunktur. Das Berliner Gorki-Theater veranstaltet dazu ab Sonntag sogar eine ganze Veranstaltungsreihe.
Mit dem wenn auch sehr spät und langsam einsetzenden hiesigen Wandel seiner öffentlichen Wahrnehmung als Kunstform drängen verstärkt Erzählungen auf den Markt, die den Krieg und mit ihm die Entwicklung historischer Prozesse fokussieren. Die Zugriffe der teils übersetzten, teils deutschsprachigen Werke auf den kontrollierten Ausnahmezustand und die Funktion ihrer Bildpolitik weisen bemerkenswerte Unterschiede auf.

mehr: taz

Propaganda der guten Absicht

2. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Simone Bittons Dokumentarfilm „Rachel“

„Israelkritik“ weiß von sich selbst am besten, dass sie es nur gut meint. Dadurch immunisiert sie sich gegen Einwände. Werden die dennoch erhoben, fühlt sie sich gegeißelt und einem imaginierten Diktat des Tabus unterworfen. Darüber jammert sie sodann in den auflagenstärksten Zeitungen und zu den besten Sendezeiten so lange, bis ihr endlich in Gestalt unzähliger Auszeichnungen, die der Kulturbetrieb eben bereit hält, der flächendeckend beklagte Maulkorb geadelt wird. An diesem Dilemma leidet nicht bloß die stets vor Kühnheit zitternde Prominenz vom Schlage eines, sagen wir, Martin Walsers, Norman Finkelsteins oder Noam Chomskys.

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Stimmen aus der Mitte

1. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Beruf Neonazi

Nach seinen ersten Aufführungen 1993 provozierte Bonengels Dokumentarfilm um den jungen Münchener Neonazi Eward Althans einen veritablen Skandal: Es hagelte Verisse von Spiegel bis Konkret, Ignatz Bubis, damals Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, forderte ein Verbot, die hessische Innenministerin Evelies Mayer gar die Rückzahlung des Förderungsgeldes und im Dezember selbigen Jahres erfolgte eine kurzzeitige Beschlagnahmung. Die Anklagepunkte waren relativ identisch: Zu wenig Distanz zur portraitierten Figur führe unter Umständen zur Identifikation und böte so Althans ein gern in Beschlag genommenes Forum zur Verbreitung seiner Ansichten und Glorifizierung seiner Person.

mehr: Filmzentrale

Zivilcourage

1. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Kay Sokolowsky: Michael Moore

Dieses Buch ist eine Einladung. Eine Einladung zu einer differenzierten Betrachtungsweise der Person und des Phänomens Michael Moore, der seit der Renaissance des enthemmten Antiamerikanismus im hiesigen Lande höchst polarisierend in den politischen Richtungen rezipiert wurde. Von den Linken als tumber Agitator verlacht, von den Rechten als exponierter Dokumentarist der uramerikanischen Kriegstreiberei vereinnahmt (diese Semantik besäße übrigens immer noch ihren wahren Kern, würde man beide Begriffe gegeneinander austauschen; aber das ist eine, wenn auch nicht völlig andere Geschichte), wird doch ein maßgeblicher Punkt bei all berechtigter Kritik oftmals aus dem Auge verloren: Michael Moores Weltbild dürfte mit dem der Linken bloß marginal übereinstimmen. Seine Kritik zielt nicht auf das Wesen von Institutionen ab, sondern gilt lediglich ihren Fehlleistungen; sein Ruf nach gerechten Arbeitslöhnen für die ungerecht Behandelten tastet das kapitalistische Arbeitsprinzip nicht im geringsten an; sein Unmut ergießt sich über korrupte Politiker, Gewerkschaftsführer, Medienmogule, Journalisten, Schauspieler, Vorstandsvorsitzende und Lobbyisten, also Kleingeister, deren vornehmliche Aufgabe darin besteht, den Laden am Laufen und die eigenen Schäfchen im Trockenen zu halten, also jene Angehörigen der Kaste Arschloch, die ihren Job genau genommen zu gut erledigen, als dass man es ihnen ungestraft durchgehen ließe. Ihnen ist der Zorn Moores gewiss und dabei betreibt er weiß Gott keine genuin linke Analyse der falschen Verhältnisse, sondern geriert sich vielmehr als emotionaler Moralist mit liberalistischer Attitüde und ordentlichem Hang zur Zivilcourage. Dass bei einem Mann, dessen ideologisches Gerüst vor allem die wortgetreue Auslegung der Verfassung darstellt, mit dem Verweis auf Entfremdung, Warenfetischismus und universellem Verblendungszusammenhang nicht sonderlich viel zu holen ist, liegt ebenso auf der Hand, wie auch die Tatsache, dass ein solch aufklärerisches Konzept (nämlich die „kleinen“ Ungerechtigkeiten zu benennen, ohne sie im Großen zu kontextualisieren) Wasser auf den Mühlen der Antiimp-Presse wie der des bürgerlichen Lagers erzeugt. Im regressiven Gefühlskanon lässt es sich gut schwimmen, so viel ist klar. Die Frage lautet bloß, ob Moore, wie oftmals bemängelt, einem Kalkül folgt, wenn er seinen Reflexen und Bauchgefühlen mehr Gehör zu schenken scheint, als seinem Intellekt. Das gilt um so mehr für jemanden, der mit seinen Aussagen zwar oftmals einen politischen Bauchklatscher hinlegt, andererseits aus seinen Ab- und Ansichten keinerlei Hehl macht.

Seine Tätigkeiten erstrecken sich auf mannigfaltigen Gebieten, derer er sich, nicht selten eher schlecht als recht, autodidaktisch befleißigte: Autor, Agitator, Stand-Up Comedian, Film-, Dokumentarfilm- und Fernsehregisseur, Schauspieler und irgendwo dann auch Satiriker. Das Problem rührt vielleicht nicht minder daher, dass sein Oeuvre hierzulande, bis auf die meist plumpen Pamphlete filmischer und schriftlicher Art, nur unvollständig erschlossen ist. Schenkt man Sokolowsky Glauben, so bilden die in den 90ern realisierten Fernsehformate TV Nation und The Awful Truth den Kern von Moores Arbeiten, und hier scheint sich denn tatsächlich ein subversives Potential zu offenbaren, welches den eher eitel daher kommenden Nabelschauen neuerer Machart aus der Moore-Werkstatt zumeist abgeht: Wenn Moore verschiedene katholische Kirchen aufsucht, um dort die immer gleichen Sünden zu beichten, so dass aus den verhängten Bußen ein Leitfaden für Kirchengänger enstehen soll, wenn der Staat Mississippi erst 1995 die Sklaverei offiziell verbietet, so dass ein Schwarzer noch eilig ein paar weiße Männer kauft, die er dann genüsslich durch eine Redneck-Kneipe peitscht, wenn Moore dem republikanischen Abgeordneten Newt Gingrich auf einer Parade auflauert, um ihn vor versammelter Mannschaft zu fragen, warum sein Landkreis 17000 Dollar Fördermittel jährlich für die Küstenwache einsacke, obwohl er weit und breit keine Küste entdecken könne und sich mit der Antwort, versteckte Scharfschützen hätten ihn bereits im Visier, abspeisen lassen muss, dann offenbart sich ein Feld voller politischer Sarkasmen, für das ein Schlingensief Subventionen erhält. Feingeistige Satire sieht anders aus, natürlich, Moores Selbststilisierung zum hochgearbeiteten Redner der unterdrückten Massen ist ein Graus und sein Ungerechtigkeitsempfinden irgendwo auf halber Strecke stecken geblieben, dennoch scheint seine Guerilla-Taktik auf effektive Weise auch mal Angst bei denjenigen hervorzurufen, die sie normalerweise erzeugen.

Kay Sokolowsky – Michael Moore. Filmemacher, Volksheld, Staatsfeind, Konkret Literatur Verlag 2005, 15 Euro

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