Die Welt als Wille zum Verfall

2. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Die erste deutschsprachige Monografie über George A. Romero

Dass sich der Vampir im Gegensatz zum Zombie nie so recht als gesellschaftlicher Seismograph eignete, sondern viel stärker den gesellschaftlichen Regress figürlich fortsetzte, hat vielleicht damit zu tun, dass sich in ihm idealtypisch die Ängste der Herrschaft vor ihrem Niedergang ausdrückten – früher wohl die Furcht der Aristokratie vor der Verschmelzung mit dem Bürgertum, heute sicher die Furcht des Bürgertums vor der Verschmelzung mit den unkeuschen Instinkten des Pöbels.

mehr: kino-zeit.de
Erstveröffentlichung: Testcard #20

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Vom Placeboeffekt der Liebe

2. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Liebe als Spielart der Schizophrenie

„The great Love’n Romantic Swindle“ – der Titel ist eine Anspielung auf die Absage des Authentizitätsversprechens der Rockmusik, auf jenen filmischen Hybrid aus Dokumentation und Mockumentary, den die Sex Pistols und Regisseur Julian Tempel als letztes Lebenszeichen ihrer kurzen Karriere hinterließen – The great Rock’n‘ Roll Swindle.

mehr: Der Tagesspiegel

Kindlicher Terror

2. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Narciso Ibáñez Serradors „Ein Kind zu töten …“

Es ist nicht so einfach mit Serrados hierzulande seit 1984 durch eine Indizierung von der Öffentlichkeit ausgeschlossenem Terrorfilm: Die im Booklet angeführten Antragsbegründungen sind zu irrwitzig, als dass man den Verantwortlichen auch nur einen Hauch Medienkompetenz zusprechen möchte.

mehr: Filmzentrale
Erstveröffentlichung: kino-zeit.de

Über das Verkleckern eigenen Matsches

2. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Dokumentarfilm über Die Goldenen Zitronen

Grob gesagt läßt sich die Bandgeschichte der Goldenen Zitronen in zwei Phasen unterteilen: die Zeit vor und jene nach dem Mauerfall. Als Punk im Punk, als subkulturinternes Spiel mit Codes und Regeln einer starren Szene, die sich in den 1980ern entweder im plakativen Deutschpunk oder dem asketischen Straight Edge-Hardcore verfestigten, war ihr Auftreten zunächst auf die Irritation dieser mißverstandenen Doktrin einer Selbstverwirklichung im Elend gerichtet.

mehr: Schnitt
Erstveröffentlichung: Testcard #18

Mut zur Lücke

1. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Josef Schnelle/Rüdiger Suchsland: Zeichen und Wunder – Das Kino von Zhang Yimou und Wong Kar-Wei

Mit dieser Doppelmonografie legt der Schüren-Verlag erstmals im deutschsprachigen Raum ein Buch zu den Oeuvres Wong Kar-Weis und Zhang Yimous vor. Dabei könnten augenscheinlich Methoden als auch kulturelle Einbettung beider Regisseure unterschiedlicher nicht sein: Waltet bei Yimou strenger Formalismus, der sowohl produktionstechnisch als auch ästhetisch seinen Ausdruck findet, verliert sich Wong Kar-Wei im assoziativen Strom des Bilderrauschs, lässt Stimmungen gegenüber narrativer Dichte dominieren und findet seinen Rückhalt zudem in einem sehr europäischen Filmverständnis. So ist es erklärtes Ziel der beiden Filmjournalisten Schnelle und Suchsland, „Gemeinsamkeiten und Differenzen in Stil, Motiv und Themensuche“ nachzuspüren und beiläufig den Rahmen für die Spezifika chinesischer Kultur wie Kulturindustrie zu justieren.

Der eher feuilletonistische Stil kommt diesem Vorhaben zum Teil zugute. Da er sich durch die Verweigerung wissenschaftlicher Präzision selbst den Handschriften der Regisseure verschreibt, vermittelt er ein Gefühl für ihre motivische und ästhetische Vielfalt, ohne den Gestus der Bewunderung hintanstellen zu müssen. Die Kapitel etwa zu Farbwelten, Sehen und Blicken, die die Verbindung beider Regisseure durchaus zu legitimieren wissen, sind wahre Kleinode. Auch die historischen Kontextualisierungen, in denen sich die Differenzen zwischen chinesischer und hongkong-chinesischer Filmgeschichte historisch bedingt gar nicht so sehr als dichotome Pole, denn mehr als signifikante Momente der Interdependenz offenbaren, schärfen den Blick auf den Stadtstaat.

Ärgerlich wird es, wenn der gelegentliche Plauderton die beiden Autoren dazu nötigt, diese ausgemachten Freiheiten gegenüber dem vermeintlich restriktiven Studiosystem Hollywoods in Stellung zu bringen, also eben die Gelegenheit zu nutzen, um etwas Ressentimentpflege zu betreiben und sich ausgleichend dazu in kultischer Verehrung bezüglich asiatischer Filmkunst etwas zu oft den Ball zuzuspielen. Das mag vielleicht auch der Grund für den etwas inkonsistenten Aufbau des Buchs sein, wodurch viele Aspekte angerissen werden, aber auch etwas unvermittelt nebeneinander stehen. Das prädestiniert das Buch zwar zum angenehmen Querlesen, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Aspekte – und davon zeugt vielleicht auch die für den Verlag ungewöhnlich ausführliche Bebilderung – noch undurchleuchtet bleiben, was sich beide Autoren indes in der Einleitung selbst eingestehen.

Und abschließend: über die zahlreichen Tipp- und Grammatikfehler mag man hinwegsehen, solange sie keine Sinnentstellung zu Folge haben, den Verzicht auf ein Personen- und Schlagwort-Verzeichnis hätte es aber nicht gebraucht.

Josef Schnelle/Rüdiger Suchsland: Zeichen und Wunder – Das Kino von Zhang Yimou und Wong Kar-Wei, Marburg 2007, Schüren Verlag, 19,90 Euro

Erstveröffentlichung: Testcard #18

Bestattungsunternehmen „Fun Home“

1. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Wie malt man das Erinnern? »Fun Home«, ein Comic von Alison Bechdel

Es ist hoffentlich ein weiterer Schritt hin zur Veralltäglichung des Umgangs mit Comics, dass der Kiepenheuer & Witsch Verlag Alison Bechdels autobiografisches Opus Magnum ganz regulär in sein Literaturprogramm aufgenommen hat. Eine gewisse publizistische Aufmerksamkeit war der ersten Graphic Novel der Autorin und Zeichnerin, der intensive Arbeit an der langjährigen Heftserie „Dykes to watch out“ vorausging, zumindest beschieden und das völlig zu Recht.

mehr: junge Welt
Langfassung: Textem

Phase „Celebrity“

1. Februar 2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Lewis Trondheim: Ausser Dienst

Der neben Joann Sfar (zumindest mit Blick auf den qualitativ stets hochwertigen Ausstoß) wohl produktivste Comiczeichner der Gegenwart, darauf lässt es sich wohl ohne viel Federlesens einigen, ist Lewis Trondheim. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht unter der Schirmherrschaft irgendeines entlegenen Verlagshauses ein weiteres Album die Druckerei verlässt. Die Unübersichtlichkeit wird da schon mal schnell zur Qual.

mehr: Textem
Erstveröffentlichung: Testcard #18

Wo bin ich?

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